Fair‑Trade‑Stadt

Mainburg ist „Fairtrade-Stadt“ 
Bürger feiern Verleihung auf Christkindlmarkt mit „Coro Intermezzo" und Stadtkapelle

„Mainburg ist Fairtrade-Stadt!“, schallt die Stimme von Elisabeth Krojer, Sprecherin der Steuerungsgruppe, am Sonntagnachmittag 7.12.2014 über den Christkindlmarkt. Nach einem Jahr Einsatz für „die gute Sache“ darf sich die Hopfenstadt nun ganz offiziell Stadt des fairen Handels nennen.

 

Die Anspannung auf dem weihnachtlich geschmückten Marktplatz ist zu spüren, als der ersehnte Moment endlich gekommen ist. Unter großem Beifall schreitet Bürgermeister Josef Reiser auf die Bühne und nimmt die Urkunde von Hannah Rüther von der Siegelorganisation Fairtrade Deutschland entgegen.

 

„Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können wir gemeinsam das Gesicht der Welt verändern.“ Mit diesem afrikanischen Sprichwort verewigt sich Elisabeth Krojer kurz zuvor im Goldenen Buch der Stadt. Jetzt steht die Sprecherin der Steuerungsgruppe auf der Bühne und moderiert durch die Auszeichnungsfeier. Die Bürger hätten schnell erkannt, so Krojer, dass sie einen wichtigen Beitrag für eine gerechtere Welt leisten können, wenn sie für fair gehandelte Produkte adäquate Preise zahlen – und dafür mit biologischen Erzeugnissen hoher Qualität entlohnt würden.

 

Nachdem die Jugend- und Stadtkapelle zur festlichen Einstimmung des Publikums ein Ständchen posaunt hat, betreten die Frauen des „Coro Intermezzo“ mit Leiter Charly Beck, der sie auf der Geige begleitet, die Bühne. Neben einem israelischen Friedenslied wird der englische Kanon „Come, follow me“ von John Hilton angestimmt – jedoch mit neugetextetem Refrain „Follow me to the Fairtrade!“.

 

Danach marschieren die Mitglieder der Steuerungsgruppe – gut erkennbar mit dem grünen Button am Revers – auf die Bühne. Elisabeth Krojer ist stolz auf diese große Gruppe, ruft dem Publikum jedoch ins Gedächtnis, dass die Auszeichnung zur Fairtrade-Stadt erst ein Startschuss ist, um fairen Handel zu verbreiten und sichtbar zu machen.

 

„Sklaverei und Kinderarbeit sind noch immer real“, mahnt Krojer. Die Schere zwischen Arm und Reich sei vor allem in Dritte-Welt-Ländern, in denen Gerechtigkeit oft noch ein Fremdwort ist, riesig. Aber um diese Missstände auszumerzen, brauche es Zeit. Immerhin sei ein Anfang gemacht und die Mainburger haben es auch künftig in ihrer Hand: Jeder Euro, der für faire Produkte über die Ladentheke wandert, sei „politische Kraft“. Die Sprecherin appelliert daher an die Bürger: „Nur wenn ihr mitmacht, ändert sich was!“

 

Hannah Rüther von der Siegelorganisation Fairtrade Deutschland lobt die Einwohner der Hopfenstadt für ihren Glauben an eine Initiative, in der der Mensch im Mittelpunkt steht: „Ihr bekommt den Titel, weil ihr schon Großartiges geleistet habt.“ Und damit meint Rüther insbesondere die Tatsache, dass die Anzahl der Betriebe und Institutionen, die sich der fairen Aktion verschreiben, die Mindest-Anforderungen für eine Auszeichnung weit übertreffen.

 

Drei besonders beliebte Import-Güter hebt Rüther heraus: Kakao, Bananen und Blumen. Wenn es um den Verzehr von Schokolade geht, nehmen die Deutschen gleich nach den Schweizern den zweiten Platz ein. Dieses Bild verschärft sich, blickt man auf die Zahlen: Ganze 116 Tafeln (11,6 Kilogramm) der beliebten Süßware konsumiert ein jeder Deutsche pro Jahr.

 

Oft bedeute das: Genuss in den wohlhabenden Verbraucherländern, Leid auf den Feldern vor allem in Afrika. Dort rackern immer noch Kinder auf Kakaoplantagen; ohne Schutzhandschuhe schlagen sie mit Macheten die Frucht von den Bäumen, spalten die Hülse, um an die Bohne zu gelangen, die später zu Schokolade weiterverarbeitet wird. Mit fairem Handel, erklärt Rüther weiter, könne dem ein Ende gesetzt werden. Die Bauern würden dann ausreichend verdienen, um ihre Schützlinge in die Schule schicken zu können und mehr Kakaobäume zu pflanzen, um in eine gesicherte Zukunft blicken zu können.

 

Anschließend erfreut der Auftritt des „Walking Act“ die Zuschauer: zwölf Jungs und Mädchen im grünen Overall und Hut, die das grüne Männchen auf dem Fairtrade-Banner verkörpern, klappern mit ihren Einkaufswägen – beladen mit dem Fairtrade-Logo – vor die Bühne. Von dort aus verteilen sich die Jugendlichen später in der ganzen Stadt, um die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich und das gelb-blaue Emblem zu ziehen.

 

Jetzt aber ist es höchste Zeit, das Geheimnis zu lüften, was sich hinter dem grünen Tuch verbirgt. Bürgermeister Reiser macht das Ortsschild Mainburgs für alle sichtbar – mit dem Schild darunter: Wir sind Fairtrade Stadt!

 

Zwar steige der Umsatz aus Verkäufen fairer Produkte seit 2003 kontinuierlich, so Rüther, trotzdem seien es jährlich nur acht Euro, die der Konsument in die wohltätige Organisation investiert. „Also greifen Sie zu!“ In zwei Jahren kommt sie wieder und prüft, ob die Hopfenstadt ihrem Titel „Fairtrade-Stadt“ auch gerecht wird.

Bild und Text: Thomas Utz

Mainburg bekommt Titel Fairtrade-Stadt verliehen 
Auszeichnungsfeier am 7. Dezember 

Mainburg bekennt sich zur Philosophie des Fairen Handels und bekommt dafür am kommenden Sonntag um 14 Uhr im Rahmen des Christkindlmarktes auf dem Marktplatz den Titel „Fairtrade-Stadt“ von der Siegelorganisation Fair-Trade Deutschland verliehen.

 

Mehr als 60 Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomiebetriebe, Kirchen, Schulen und Vereine in Mainburg unterstützen bereits die Mainburger Initiative. Mit einstimmigem Beschluss tat dies vor mehr als einem Jahr auch der Stadtrat und legte damit den Grundstein für den Titel „Stadt des Fairen Handels“. Seitdem gibt es bei Besprechungen, auf Sitzungen und im Büro des Bürgermeisters fairgehandelte Produkte.

 

Gleichzeitig hat sich in Mainburg eine Fairtrade-Steuerungsgruppe aus Vertretern von Kirchen, sozialen Verbänden, Schulen, Kindertagesstätten und Vereinen gegründet. Diese Steuergruppe sorgte im vergangenem Jahr nicht nur auf zahlreichem Märkten für Informationen innerhalb der Stadt, sondern umwarb Mainburger Geschäfte und Betriebe, den Fairtrade-Gedanken mitzutragen und war auch verantwortlich für die inhaltliche Seite der Bewerbung, sodass Mainburg die Kriterien einer „Fair-Trade-Stadt“ nun übererfüllt. „Mehr als 20 Einzelhändler und acht Gastronomiebetriebe in Mainburg haben nun fairgehandelte Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao, Textilien, Sportbälle und vieles mehr in ihrem Sortiment. Zahlreiche Vereine, Schulen Kitas und Kirchengemeinden unterstützen uns zudem“, so die Sprecherin der Fair-Trade-Steuerungsgruppe Elisabeth Krojer. Besonders in der Steuerungsgruppe ist man stolz, in so kurzer Zeit die Bewerbungskriterien für eine Fairtrade-Stadt erfüllt zu haben. Dabei hat man bei vielen Bürgern und Geschäftsleuten offene Türen eingerannt. Die Mainburger haben schon lange erkannt, dass sie durch den Kauf von fairen Produkten nicht nur einen wichtigen Beitrag für eine gerechtere Welt leisten sondern auch gleichzeitig biologische Erzeugnisse von hoher Qualität erhalten können.

 

Zahlreiche Bauernfamilien und Arbeiter in den Plantagen in den Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Südamerika leben unter dem Druck des Weltmarktes, der schwankenden Preise und des bisweilen ausbeuterischen Handels. Die Folgen reichen von Arbeitslosigkeit über Verschuldung bis zur Verelendung. Die Arbeitsbedingungen sind oftmals katastrophal. Gesundheitsschädliche Stoffe sind vielfach im Einsatz, die Arbeiterinnen und Arbeiter haben keinerlei Rechte und Kinder müssen arbeiten, statt in der Schule lernen zu können.

 

Fairtrade ist eine Strategie zur Bekämpfung dieser Armut. Durch gerechtere Handelsbeziehungen soll die Situation der benachteiligten Produzentenfamilien in den Entwicklungsländern verbessert, die Binnenwirtschaft gestärkt und langfristig ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abgebaut werden.

 

Ökonomie, Ökologie und Soziales sind dabei die drei Säulen der Fairtrade-Standards. Sie bilden die Spielregeln des Fairen Handels. Alle Produzenten und Händler müssen sich an die Standards halten – nur dann dürfen ihre Produkte mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet werden. Neben stabiler Mindestpreise und Fairtrade-Prämien für die Produzenten garantiert man unter anderem auch soziale Arbeitsbedingungen,  die Förderung von Gemeinschaftsprojekten, den umweltschonenden Anbau und das Verbot von illegaler Kinderarbeit.

Bewerbungsschreiben auf den Weg gebracht 

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, das Prädikat „Fair-Trade-Town“ anzustreben. Jetzt wurde das Bewerbungsformular mit jeder Menge Unterlagen an die Zentrale nach Köln gesandt. Wenn alles gut läuft, soll die Auszeichnungsfeier am 7. Dezember im Rahmen des Christkindlmarktes stattfinden. In den vergangenen zwölf Monaten hat die 18-köpfige Steuerungsgruppe, die sich einmal im Monat trifft; ganze Arbeit geleistet, um die fünf geforderten Kriterien zu erfüllen. Es konnten 17 Geschäfte in Mainburg von der Idee begeistert werden, Fair Trade-Produkte zum Kauf anzubieten. Dazu kommen noch acht Cafés und Restaurants, bei denen es fair gehandelte Produkte gibt. Stattlich ist auch die Zahl der an der Aktion teilnehmenden Schulen und Kindergärten (13), Vereine (5), Kirchengemeinden (2) und sonstige öffentlichen Einrichtungen (2). Ein wichtiges Kriterium ist auch die Beteiligung der Kommune. Die Stadt Mainburg kann ebenfalls eine ganze Liste von Aktivitäten aufweisen. Sie stellt eines ihrer Schaufenster im Rathaus für Fairtrade-Waren zur Verfügung, sowie kostenlose Standplätze für die Steuerungsgruppe bei den vier Jahrmärkten und dem Christkindlmarkt. Die Verwaltung bietet Kaffee, Zucker und Schokolade aus fairem Handel im Bürgermeisterbüro an und serviert bei Trauungen und sonstigen Anlässen Fair-Trade-Orangensaft. In den „Geschenkkörben“ für Altersjubilare finden sich ebenso Artikel aus fairem Handel, wie es auch die für das „Muttertags-Singen“ der Liedertafel gesponserten Rosen sind. Auf der Homepage der Stadt wird die Fairtrade-Initiative präsentiert, der die teilnehmenden Geschäfte und Gastronomiebetriebe zu entnehmen sind, und die Werbemittel der Steuerungsgruppe, wie zum Beispiel die Banner, werden von der Kommune finanziert. Wichtig für die Erfüllung der Kriterien ist auch, dass die Stadt ihre Kindertageseinrichtungen und Schulen zur Bildungsarbeit im Sinne von Fairtrade aufruft. Elisabeth Krojer, die Sprecherin der Steuerungsgruppe, ist deshalb sehr zuversichtlich, dass die Bewerbung erfolgreich sein wird, und Bürgermeister Josef Reiser denkt schon darüber nach, an den Ortseingängen ein Schild „Mainburg Fair-Trade-Stadt“ anzubringen.

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